• Manuel Lindorfer

Arnreits Bratl-Seite behauptet fußballerische Vormachtstellung

Nach achtjähriger Abstinenz war es am vergangenen Freitag wieder einmal so weit: der vereinsinterne Klassiker zwischen Erdäpfel- und Bratlseite ging über die Bühne. Die Erdäpfel wollten dabei Revanche nehmen für die klare 7:1-Abfuhr, die man vor gut acht Jahren hinnehmen musste - am Ende triumphierte aber etwas überraschend erneut die Auswahl der Bratlseite.


Erdäpfel- gegen Bratlseite. Dieses Fußball-Duell der besonderen Art sorgt im beschaulichen Arnreit in unregelmäßigen Abständen für äußerste Brisanz. Durch die Bundesstraße B127 getrennt liegt die Erdäpfel-Seite im Westen der 1141-Seelen-Gemeinde, die Bratl-Seite auf der Osthälfte. Eine räumliche Trennung, der im normalen Alltag nicht die geringste Bedeutung beigemessen wird, die jedoch, wenn es zum fußballerischen Kräftemessen kommt, den Ort in zwei rivalisierende Lager teilt. Eine Rivalität, die geprägt ist von Sticheleien und Sprücheklopfen, die jedoch nicht ganz so ernst zu nehmen ist, und die in unregelmäßigen Abständen wieder aufflammt, und so den Mythos "Erpdäfl- gegen Bratlseite" weiter leben lässt.

Am vergangenen Freitag war es wieder einmal soweit: Nach mittlerweile achtjähriger Abstinenz empfingen die Bratln auf der Arnreiter Sportanlage die Auswahl der Erdäpfel. Viel wurde im Vorfeld über dieses Duell gesprochen, die Favoritenrollen hin und her geschoben - die Wahrheit liegt bei solchen Aufeinandertreffen aber bekanntlich ohnehin auf dem grünen Rasen. Im Zuge des üblichen Vorgeplänkels erinnerten sich viele der Bratln gerne an das letzte Duell der beiden Mannschaften, bei dem es einen triumphalen 7:1-Erfolg für die Auswahl aus Arnreits Osten gab. Doch das alles war einmal, und die Vorzeichen deuteten am vergangenen Freitag ganz klar auf eine Revanche der Erdäpfel hin, die mit einer schlagkräftigen Mannschaft die Auswärtsfahrt auf die Arnreiter Sportanlage antraten, der Heimspielstätte der Bratln. Insbesondere die Offensivabteilung der Erdäpfel ließ mit großen Namen aufhorchen, wurde so manchem Spieler der in scharz-weiß auflaufenden Bratln beim Einmarsch angst und bange. Aufs Feld geführt wurden die beiden Mannschaften von Reiter Florian, der als geborener Bratl auf der Erdäpfel-Seite sesshaft wurde, und dem aufgrund dessen die meiste Objektivität zuzuschreiben war. Eines vorweg, der Schiedsrichter machte seine Sache richtig gut, ließ in einer von Emotionen und Leidenschaft geführten Partie nichts anbrennen. Pünktlich zum Anpfiff um 19:00 Uhr hatten sich auch einige Zaungäste eingefunden, die ihre jeweils favorisierte Mannschaft mit Anfeuerungen bzw. Sticheleien gegen die Unparteiischen unterstützten. Dann ging's endlich los...

Die Partie startete dann praktisch mit einem Paukenschlag, denn die Auswahl von der Bratl-Seite ging mit ihrer ersten nennenswerten Offensivaktion direkt in Führung. Die Erdäpfel lassen sich durch einen weiten Einwurf auf der rechten Seite überrumpeln, Gahleitner Manfred ist auf und davon, und lässt mit einem satten Schuss in die linke Ecke Goalie Koblmüller Herbert nicht den Hauch einer Abwehrchance (4.). Die Gäste reagieren aber keineswegs geschockt auf diesen frühen Gegentreffer, ganz im Gegenteil: mit zunehmender Spieldauer werden die in rot spielenden Erdäpfel immer stärker. Ab spätestens Mitte der ersten Halbzeit geben die Gäste ganz klar den Ton an, beißen sich aber immer wieder an der kompromisslos agierenden Bratl-Abwehr die Zähne aus, oder aber haben beim Abschluss das Visier nicht richtig eingestellt. Einmal haben die Erdäpfel zudem Pech, als Aiglstorfer Kevin nach einem toll getretenen Koblmüller-Freistoß den Ball an die rechte Stange köpft. Auf der anderen Seite zeigen es die Bratln dann beinahe, wie es besser geht, doch sowohl Furtmüller Michael als auch Bäck Mario können schön vorgetragene Angriffe, die eher die Ausnahme als die Regel sind, nicht in Zählbares ummünzen. Da auch die Gäste von der Erdäpfel-Seite keine ihrer zahlreichen Tormöglichkeiten im Neumüller-Gehäuse unterbringen, werden bei einer knappen, etwas schmeichelhaften Führung für die Gastgeber die Seiten gewechselt.

Nach Wiederbeginn bietet sich den Zusehern ein ähnliches Bild: eine druckvolle Erdäpfel-Auswahl, die immer wieder erfolglos gegen die Defensivreihen der Bratln anrennt. Insbesondere Abwehrchef Lindorfer Georg sei an dieser Stelle besonders hervorzuheben, er zeichnete sich durch zahlreiche tolle Tacklings und Blockaktionen hauptverantwortlich dafür, dass die Null stand. Die Heimischen, mittlerweile ausschließlich mit Abwehraufgaben beschäftigt, versuchen immer wieder Nadelstiche zu setzen, und einer dieser wenigen führt auch tatsächlich zum überraschenden 2:0. Wieder ist es ein Einwurf auf der rechten Seite, bei dem die Abwehr der Erdäpfel kein wirkliches gutes Bild abgibt - am Ende ist es ein Eigentor von Kneidinger Dominik, der zwar noch vor Bratl-Stürmer Furtmüller Michael an den Ball kommt, diesen jedoch in Manier eines Topangreifers über seinen eigenen Tormann hinweg ins Tor befördert (69.). Besonders bitter für Gäste-Goalie Koblmüller, der de facto nichts zu tun hat, die Kugel aber bereits zum zweiten Mal aus dem Netz fischen muss.

Mit der Wut im Bauch werfen die Erdäpfel nun alles nach vorne, und werden für ihren Sturmlauf in der 78. Minute auch belohnt: Aiglstorfer Kevin ist per Abstauber erfolgreich, nachdem zuvor Goalie Neumüller einen satten Schuss nicht entscheidend entschärfen konnte - nur mehr 2:1, eine heiße Schlussphase kündigte sich an. Die Erdäpfel, beflügelt durch den Anschlusstreffer, spürten, da könnte noch was gehen. Die Bratln aber opferten sich in diesen Schlussminuten im wahrsten Sinne des Wortes auf, verteidigten mit Mann und Maus, und holten in der 89. Minute zum alles entscheidenden K.O.-Schlag. Eine klassische Kontersituation, in der die Erdäpfel durch einen schnellen Gegenstoß überrumpelt wurden, abgeschlossen von Altenhofer Manuel, der Gäste-Tormann Koblmüller Herbert mit einem überlegten Chip bezwingen konnte, besiegelte das Ende jeglicher Erdäpfel-Ambitionen. In den Schlussminuten dieser Begegnung passierte dann nicht mehr wirklich viel, die Bratln schwammen auf einer Welle aus Euphorie, während den Spielern der Erdäpfel sowie deren Anhang das blanke Entsetzen ins Gesicht geschrieben stand. Nach 93. Minuten beendet der souveräne Schiedsrichter Reiter die Partie, somit war es amtlich: acht Jahre nach dem erdrutschartigen 7:1-Erfolg behielten auch dieses Mal die Bratln die Oberhand.

Auch wenn das Ergebnis von 3:1 so ganz und gar nicht dem Spielverlauf entsprechen mag - alleine die Tatsache, dass der Verfasser dieses Berichts sich nur an einen Bruchteil der Chancen der Erdäpfel erinnern kann, spricht Bände -, so gewann am Ende wohl jene Mannschaft, die den Sieg mehr wollte. Die spielerischen Defizite gegenüber einer stark aufspielenden Erdäpfel-Mannschaft machten die Bratln durch eine Extraportion Kampfkraft, Einsatz und Leidenschaft wett - rückblickend gesehen machte sich das Ganze auch bezahlt. Auch wenn direkt nach dem Schlusspfiff die Enttäuschung auf Seiten der Erdäpfel wohl überwog, so wurde das Spiel beim anschließenden gemeinsamen Knackerbraten in all seinen Details aufgearbeitet und analysiert. Einige Stunden und elektrolythaltige Getränke später kündigten die Erdäpfel überschwänglich bereits eine erneute Revanche an, dieses Mal sollen offenbar keine acht Jahre vergehen, ehe man wieder die Chance hat, die Ehre für "seine Seite" wieder herzustellen.

Ein gemeinsames Gruppenfoto zum Abschluss durfte nicht fehlen

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